Der fremde Blick auf Shanghai

Der fremde Blick auf ShanghaiTexte und Bilder von Reisenden und in Shanghai ansässigen Ausländerinnen und Ausländern ergeben in dem Buch „In Shanghai“ ein Bild der heutigen Mega-City zwischen 1830 und 1940.

„Die ausgewählten Passagen sollen zeigen, wie die Stadt Shanghai und ihre Besonderheiten früher mit fremden Augen gesehen wurden, wie das Zusammentreffen von Chinesen und Ausländern empfunden wurde“, sagt Prof. Dr. Hans-Rüdiger Fluck vom Germanistischen Institut der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Er hat das Buch gemeinsam mit Studierenden der RUB-Partneruniversität Tongji in Shanghai entwickelt.

Private Sammlung und China-Bestände der Bibliothek

1980 kam Hans-Rüdiger Fluck als einer der ersten Experten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Shanghai und arbeitete dort im Fachbereich Germanistik an der Tongji-Universität. Neben seiner Lehrtätigkeit sammelte er in der Freizeit unzählige Bilder und Dokumente über die Geschichte und Kultur von Shanghai, die zum Teil in das Buch eingegangen sind.

Darüber hinaus konnte er auf die reichen China-Bestände der Bochumer Universitätsbibliothek zurückgreifen, die durch die Übernahme der Bibliothek der Villa Hügel nach Bochum gelangt sind.

Persönlich gefärbte Schilderungen

Das Buch enthält Texte mit chinesischer Übersetzung und Bilder aus der Zeit von 1830 bis 1940. Die ausgewählten Textpassagen stammen aus deutschsprachigen Reiseberichten, Reportagen und aus der Literatur. Autoren und Autorinnen sind Reisende und in Shanghai oder anderswo in China angesiedelte Ausländer verschiedener Berufsgruppen wie Diplomaten, Kaufleute, Militärangehörige, Journalisten, Ärzte und Missionare.

„Sie lebten in einer Zeit, in der chinesisches und westliches Leben, die bestehenden Traditionen und Vorstellungen unmittelbarer als heute aufeinandertrafen“, berichtet Hans-Rüdiger Fluck. Häufig schrieben sie ihre Eindrücke nieder, um die Beobachtungen und Informationen ihrer Reise oder ihres Aufenthalts zu reflektieren und weiterzugeben – an ihre Dienststellen, ihre Verwandten, Freunde oder an einen breiteren Leserkreis. So entstanden mehr oder weniger persönlich gefärbte Schilderungen von Eindrücken und Erlebnissen, die Aufschluss geben über die Stadt und ihre einheimischen und fremden Bewohnerinnen und Bewohner, ihre Sitten und Gebräuche. Und man erfährt zugleich etwas von der Vorstellungswelt der Reisenden und der „Shanghailander“, wie sich dort Etablierte selbst nannten, beim Blick auf eine fremde, exotische Welt.

Fotos und Bilder

Illustriert werden diese Blicke, Beobachtungen und Empfindungen durch eine Auswahl typischer, zeitgenössischer Bilder und Fotografien, die sich auf den Inhalt oder einen inhaltlichen Aspekt der Beschreibungen und Impressionen beziehen. „Trotz ihrer mehrfach persönlich-einseitigen oder inszenierten Prägung ermöglichen diese frühen Bilder und Texte einen Blick auf den Mythos und die wechselvolle Geschichte der Stadt Shanghai, auf ihren kaum glaublichen Wandel“, sagt Fluck. „Dieser Blick lohnt deshalb, weil er zum Verständnis der Entwicklung hin zur modernen Mega-City Shanghai beitragen und die Rasanz ihres ungeheuren Fortschritts begreiflicher machen kann.“

Hans-Rüdiger Fluck (Herausgeber):
In Shanghai. Texte und Bilder 1830-1940
White Phoenix Press, Bochum-Shanghai 2019, 156 Seiten

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